clock

Time to Change! Unternehmen erfinden sich neu

Führende Handy-Hersteller verschwinden vom Markt. PC-Hersteller bauen keine PCs mehr, Elektronikfirmen dafür Autos. Logistikunternehmen rücken Verlagen auf den Pelz, die verzweifelt nach neuen Geschäftsmodellen für die virtuelle Zukunft suchen. Ein normales Phänomen in funktionierenden Märkten. Unternehmen entwickeln sich nicht kontinuierlich und müssen sich immer wieder mit Krisen auseinandersetzen. Krisen, die gelegentlich von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, viel öfter aber von technologischen Neuerungen und neuen Anforderungen des Marktes und der Kunden ausgelöst werden. Mit dem Erfolg verlieren Organisationen die Dynamik, die Lust auf Neues, den Hunger auf Risiken. Sie verlieren Tempo, bleiben nicht jung im Kopf und lassen neuen Ideen keinen Raum mehr. Schließlich geraten sie unter Druck von neuen Start-ups oder etablierten Unternehmen aus anderen Branchen, die ihren Markt entern. Manche treffen die richtigen Entscheidungen: IBM reagierte auf die sinkenden Margen, schmiss seine PCs aus dem

Portfolio und verkaufte die Thinkpads nach China (heute Lenovo). IBM ist heute kein Computerbauer mehr, sondern IT-Dienstleister. Und das erfolgreich. Amazon war ein reines Logistikunternehmen, ein Händler, bei dem der Kunde Produkte bestellt und schnell und reibungslos zugestellt bekommt. Das geht heute immer noch, das Portfolio bestellbarer Produkte scheint unbegrenzt. Gleichzeitig wagt sich Amazon auf neue Felder: Er bietet mit dem Kindle eigene Hardware für eBooks, wird selber Verlag und betreibt eine eigene Cloud. Ganz neue Geschäftsmodelle sind denkbar. Andere sind weniger erfolgreich, weil sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen. Xerox bspw. hat das nicht nur einmal erfahren müssen. Die Firma war bis in die 70er Jahre Monopolist bei Kopiergeräten, erzielte über Leasing, Verkauf und Wartung enorme Gewinne. Diese wurden aber nicht zur Weiterentwicklung genutzt. Erfolg wurde rein finanziell und nicht in der Zufriedenheit des Kunden gemessen. Und als japanische Unternehmen zuverlässigere Kopierer entwickelten, drehten die Kunden den störanfälligen Xerox-Geräten den Rücken zu. Xerox ging fast in Konkurs. Und später verschliefen sie den Trend zu digitalen vernetzten Druckern. (siehe Artikel in der Welt) Markt- und Kundenorientierte Unternehmensführung sieht anders aus. Und so verlieren auch Platzhirsche wie Blackberry ihren angestammten Platz. Deren verzweifelter Neustartversuch scheint zu scheitern, dem ehemaligen Statussymbol unter den Smartphones droht die Zerschlagung (http://www.n-tv.de/wirtschaft/Blackberry-droht-die-Zerschlagung-article11368486.html). Genauso Opel: Die GM-Tochter war 1928 der größte deutsche Automobilhersteller. In den 50/60ern repräsentierte die Opel-Modellpalette noch Luxus mit Weißwandreifen und Heckflossen. Die Situation änderte sich in den Krisenjahren 1980 – 2011: die Ölkrise führte zu dramatischem Absatzrückgang. Das einstmals technisch und qualitativ führende Unternehmen wurde kaputt gespart, wurde zum Spießerauto von schlechter Qualität und biederem Design. Kein Image, dafür zu teuer. Oder wie es Sven Clausen pointierte: „Opel ist inzwischen kein Autohersteller mehr, Opel ist ein Industriedrama“. (siehe Artikel FTD) Oder Nokia: Das Unternehmen stellte ursprünglich Gebrauchsgegenstände wie Papier und Gummistiefel her, bevor es seine Technologiesparte ausbaute, alte Zöpfe abschnitt und für über ein Jahrzehnt zum weltgrößten Mobiltelefonhersteller mutierte. Eine erfolgreiche Transformation. Und heute? Die Trends bei den Smartphones wurden verpasst, zu langsam in der Reaktion, von Aktion nichts zu spüren. Ganz ähnlich Microsoft: Bill Gates hat mit seinem Unternehmen die IT-Welt revolutioniert. Und dann viel zu lange an dem alten Geschäftsmodell festgehalten, sein Geld über den Verkauf der Betriebssystem- und Office-Software zu verdienen. Mit Steve Jobs und Apple veränderte ein weiterer Revolutionär den Markt. Die 2-Säulenwelt von Hardware hier und Software dort löst sich auf, neue Devices und cloud-gestützte virtuelle Welten eröffnen gänzlich neue Perspektiven. 2014 verkauft Nokia seine Handy-Sparte nun an Microsoft. manager magazin ‚Zeit für Neuanfang‘ / manager magazin ‚Microsoft kauft Nokias Handysparte‘ / manager magazin ‚Analyse Nokia‘  Zwei Unternehmen in Innovationskrise schließen sich zusammen, um gemeinsam einen Weg aus der alten Welt zu finden. Und Steve Ballmer tritt zurück: Schock für Microsoft oder längst fälliger Befreiungsschlag? Der Mann, der – getrieben von einer Mischung aus Unsicherheit, Angst und Verdrängung – 2007 in ziemlich arroganter Überheblichkeit dem iPhone prophezeite, es hätte keinerlei Chance, sich durchzusetzen und maßgebliche Marktanteil zu gewinnen. Ballmer hat gelernt, und die richtige Konsequenz gezogen. Mit dem Erwerb von Nokia hat er dem Unternehmen eine Tür aufgemacht, eine Chance eröffnet. Und einem anderen Typ Manager Platz gemacht, um die Herausforderungen anzugehen, denen Ballmer als Kind des alten Marktes nicht gerecht werden konnte. Bleibt zu hoffen, dass nun innovativen Querdenkern wieder Raum gegeben wird.

Beitrag teilen:

Schreib einen Kommentar